Aus einer TV-Doku wusste ich: Slowenien ist ein modernes Land. Aber Taxifahrten sind ja ein Thema für sich. Slowenien bildet da keine Ausnahme.Wir wollten zum Punk Rock Holiday Festival nach Tolmin. Ursprünglich hatten wir geplant, im Dorf zu wohnen und täglich zum Gelände zu tingeln. Aber unser Freund hatte versehentlich ein Haus in den Bergen angemietet. Es fuhren keine öffentlichen Verkehrsmittel, also musste ein Taxi her.

Bei uns in Deutschland gibt es diese Taxifahrer, die Touristen dreimal im Kreis fahren, bevor sie diese ans Ziel bringen. Wir waren uns sicher, dass es in Slowenien nicht anders ist.

In Tolmin angekommen, setzten wir uns erst einmal in ein Lokal und stopften uns mit Junkfood voll. Wozu sonst fährt man auf ein Festival? Irgendwann kamen wir auf die Idee, das Lokal zu bitten, uns ein Taxi zu rufen. Unser Hintergedanke: Die kennen ganz bestimmt einen vertrauenswürdigen Taxifahrer.

Nach etwa zwanzig Minuten hielt ein weißer Peugeot-Kleinbus vor dem Laden. Ein Mann um die 50 mit satter Reibeisenstimme begrüßte uns. Wir stiegen ein. Gurte existierten nicht, und die Sitze verschoben sich während der Fahrt. Wäre alles nicht so tragisch gewesen, wenn der gute Mann nicht mit Bleifuß die Serpentinen hochgebrettert wäre. Wie Flummis flogen wir lustig durch den Bus.

Podmelec

Für die etwa 15-minütige Fahrt bezahlten wir 20 €. Er drückte uns noch seine Karte in die Hand und brauste davon. Wir fuhren täglich mit ihm hin und zurück. Nicht immer mit dem Bus, auch mal mit einem komfortablen BMW und einem robusten Geländewagen. Aber er brachte uns immer sicher nach Hause, fuhr uns sogar einmal zum Supermarkt, bewahrte die Lebensmittel bis Mitternacht auf und lieferte uns nach dem Festivaltag mitsamt des Einkaufs in Podmelec ab.

Jede Nacht nach der letzten Band liefen wir zum Parkplatz, um uns abholen zu lassen. Unterwegs passierten wir immer ein Taxi, das dort auf Kundschaft wartete. Einmal fragte ich den Taxifahrer, wie viel er für eine Fahrt nach Podmelec berechnen würde. Nachdem er mir dreimal erklärt hatte, wie lang die Strecke sei, antwortete er endlich: mindestens 25 €, wahrscheinlich 30 €.

Da fiel uns auf, dass keiner der Wagen unseres Fahrers ein Taxischild auf dem Dach hatte. Taxameter haben wir ebenfalls nicht entdecken können. Wir wissen bis heute nicht, ob der Gute überhaupt dazu berechtigt gewesen ist, Fahrgäste mitzunehmen.

Tolmin

Am Tag unserer Abfahrt hielt der Wagen pünktlich, wie abgemacht, um 7:50 Uhr vor unserer Haustür. Er sah extrem fertig aus und fuhr auch etwas langsamer als sonst. Als ich ihn fragte, ob alles okay sei, antwortete er: »Ich habe um 4 Uhr die letzten Festivalbesucher nach Hause gebracht, dann meine Frau und meine beiden erwachsenen Söhne nach Nova Gorica gefahren. Danach bin ich direkt hierher, ich habe nicht geschlafen.«

Trotzdem brachte er uns noch zum Supermarkt, wo wir uns mit Proviant für die lange Busfahrt eindecken konnten. Wir denken darüber nach, nächstes Jahr wieder nach Tolmin zu fahren. Und wir wissen jetzt schon, wen wir dann ohne zu zögern anrufen würden.

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