Hiroshima ist eine besondere Stadt. Am 6. August 1945 veränderte der erste kriegerische Kernwaffeneinsatz die Welt. Seitdem ticken die Uhren hier etwas langsamer.In Hiroshima dreht sich heute noch vieles um jenen Augusttag vor fast 70 Jahren. Im Stadtzentrum mahnt nach wie vor die Atombombenkuppel (原爆ドーム, Genbaku Dōmu). Der großflächige Friedenspark erstreckt sich über einen halben Kilometer bis hin zum Friedensmuseum. Jahr für Jahr werden Schulklassen aus ganz Japan in die Stadt gekarrt.

Atombombenkuppel Sadako Sasaki

An unzähligen Straßenecken erinnern Gedenktafeln an Opfer, Zerstörung und Leid. Mal wird eine Familie betrauert, mal eine ganze Schule, die mitsamt aller Schülerinnen, Schüler und Lehrer ausgelöscht worden ist. Der Abwurf ist allgegenwärtig, Loslassen kaum möglich.

Gerade die jungen Menschen versuchen, sich aus der Rolle des ewigen Atombombenopfers zu emanzipieren. Dementsprechend ist das Nachtleben wie überall in Japan zwanglos und grell. Allerdings hatte ich immer das Gefühl, dass sich die Bewohner Hiroshimas immer einen Schritt zurückhaltender geben als in anderen Großstädten.

Sowieso sind die Einwohner Hiroshimas extrem höflich, nett, entspannt. Und wenn Sie jetzt denken: Ist doch Japan, sind die nicht alle so? Dann kann ich Ihnen versichern: Nein, auf keinen Fall. Megastädte wie Tōkyō oder Ōsaka produzieren entsprechend ruppige Zeitgenossen. Hiroshima wirkt da mit seinen 1,1 Mio. Einwohnern eher wie ein etwas angewachsenes Dorf.

Okonomiyaki Essen

Wieso mir sechs Jahre nach meinem Besuch plötzlich Hiroshima in den Sinn kam: Gestern tötete ein Erdrutsch in einem Wohngebiet der Stadt mehrere Dutzend Menschen. Sofort musste ich an unsere Freunde denken, die dort leben. Ich habe noch nichts von ihnen gehört, hoffe aber, dass sie wohlauf sind.

Hiroshima

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